Nachhaltigkeit

Welcher Dichtstoff hat den niedrigsten CO₂-Fußabdruck?

Für Unternehmen, die Materialien für Abdichtungen, Bauwerksabdichtungen oder den Schutz von Fugen und Verbindungen auswählen, wird der CO₂-Fußabdruck zunehmend zu einem wichtigen Beschaffungskriterium. Der Vergleich von Butyl-, Silikon- und Bitumen-Dichtstoffen ausschließlich anhand der angegebenen kg-CO₂e-Werte kann jedoch zu irreführenden Schlussfolgerungen führen.

Es gibt kein allgemeingültiges Ranking des CO₂-Fußabdrucks, das beweist, dass eine bestimmte chemische Technologie grundsätzlich nachhaltiger ist als eine andere. Aktuelle Umweltproduktdeklarationen (EPDs) liefern zwar nützliche Beispiele für die Produktphase, beziehen sich jedoch auf unterschiedliche Rezepturen, Dichten, geografische Annahmen, Produktionssysteme und Funktionen.

Für ein Unternehmen, das eine Materialauswahl oder Beschaffungsentscheidung trifft, lautet die entscheidende Frage daher nicht:

„Welches Material hat den niedrigsten CO₂-Fußabdruck pro Kilogramm?“

Die bessere Frage lautet:

„Welches funktional gleichwertige Abdichtungssystem erfüllt die erforderliche Leistung über die definierte Nutzungsdauer und verursacht dabei die geringsten CO₂-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus?“

Diese Unterscheidung ist für Hersteller, Bauunternehmen, Architekten, Ingenieure, Nachhaltigkeitsteams und Einkaufsabteilungen von entscheidender Bedeutung.

Warum der CO₂-Fußabdruck nicht allein anhand des Materialnamens verglichen werden kann

Ein CO₂-Fußabdruck ist eine Eigenschaft eines definierten Produktsystems und nicht einfach eines Polymers oder einer Materialfamilie.

Je nach Anwendung kann eine Fuge beispielsweise Folgendes erfordern:

  • ein dünnes, komprimiertes Butylband,
  • einen elastomeren Silikon-Dichtstoff, der Bewegungen aufnehmen kann,
  • oder eine dicke, polymermodifizierte bituminöse Abdichtungsschicht.

Diese Produkte können alle zur Abdichtung oder Bauwerksabdichtung beitragen, sind jedoch nicht zwangsläufig funktional austauschbar.

Die gleiche Materialmenge nach Gewicht kann sehr unterschiedliche:

  • Längen abgedichteter Fugen,
  • Schichtdicken,
  • Flächenleistungen,
  • Bewegungsaufnahme,
  • Haftung,
  • Dauerhaftigkeit,
  • Feuchtigkeitsschutz,
  • Nutzungsdauern,
  • Wartungsanforderungen,
  • Austauschintervalle

ermöglichen.

Deshalb bedeutet ein niedrigeres GWP ab Werk (Factory Gate) nicht automatisch einen niedrigeren CO₂-Fußabdruck der fertig ausgeführten Installation.

Ein Produkt mit einer geringeren Umweltwirkung pro Kilogramm kann mehr Material, zusätzlichen Primer, Hinterfüllmaterial, Energie auf der Baustelle oder häufigere Austauschzyklen erfordern. Umgekehrt kann ein Produkt mit einem höheren Wert in der Produktphase die geforderte Leistung mit weniger eingebautem Material oder über eine längere Nutzungsdauer erbringen.

Die Beschaffungsentscheidung sollte daher auf dem installierten funktionalen System und nicht auf der reinen Materialkategorie basieren.

Was zeigen aktuelle EPD-Beispiele?

Das Ausgangsmaterial enthält drei modellhafte EPD-Beispiele auf Grundlage der EN 15804+A2. Die GWP-Werte der Produktphase zeigen, warum solche Vergleiche sorgfältig interpretiert werden müssen.

Material / EPD-Beispiel Deklarierte Einheit A1–A3 GWP-total Wichtiger Hinweis
Produkte auf Basis von Butyl-Chemie 1 kg 4,49 kg CO₂e Europäisches Worst-Case-Modell; Dichtebereich 1,0–2,5 g/cm³
Produkte auf Silikonbasis, Gruppe 1 1 kg 5,31 kg CO₂e Europäisches Gruppen-Worst-Case-Modell; Dichtebereich 1,0–1,5 g/cm³
Polymermodifizierte bituminöse Dickbeschichtung 1 kg 1,21 kg CO₂e Deutsches Worst-Case-Modell; Dichtebereich 600–1400 kg/m³

Diese Werte sind als Screening-Beispiele hilfreich, sollten jedoch nicht als allgemeingültige Emissionsfaktoren für alle Butyl-, Silikon- oder Bitumenprodukte betrachtet werden.

Die zugrunde liegenden EPDs verwenden unterschiedliche Modellannahmen, Produktgruppen, Dichtebereiche, geografische Rahmenbedingungen und funktionale Anwendungen. Daher können die Werte allein nicht belegen, dass Bitumen grundsätzlich einen niedrigeren CO₂-Fußabdruck als Silikon oder Butyl aufweist.

Das Ausgangsmaterial warnt ausdrücklich davor, diese Werte als Beschaffungsranking zu interpretieren.

Was bedeutet das für die Beschaffung?

Ein Einkaufsteam sollte ein Material nicht allein deshalb auswählen, weil seine EPD den niedrigsten Wert in kg CO₂e/kg ausweist.

Stattdessen sollte die Beschaffungsbewertung folgende Fragen stellen:

  1. Ist das Produkt für dieselbe Funktion ausgelegt?
  2. Wird dasselbe Leistungsniveau benötigt?
  3. Ist die deklarierte Einheit vergleichbar?
  4. Sind dieselben Lebenszyklusmodule enthalten?
  5. Ist die erforderliche Menge pro Meter, Fuge oder Quadratmeter bekannt?
  6. Sind Primer, Hinterfüllmaterialien und Zubehör enthalten?
  7. Sind Anwendungsverluste berücksichtigt?
  8. Sind die Nutzungsdauern vergleichbar?
  9. Muss eines der Systeme häufiger ausgetauscht werden?
  10. Basieren die EPDs auf kompatiblen PCRs, geografischen Rahmenbedingungen und Datenzeiträumen?

Erst wenn diese Fragen beantwortet wurden, wird ein Vergleich des CO₂-Fußabdrucks aussagekräftig.

Die funktionale Einheit ist wichtiger als Kilogramm

Eines der wichtigsten Prinzipien bei der nachhaltigen Materialauswahl ist die Wahl der richtigen funktionalen Einheit.

Ein Vergleich auf Basis von nur 1 kg Material kann technisch korrekt, aus kommerzieller Sicht jedoch irreführend sein.

Nehmen wir beispielsweise an:

  • Produkt A weist ein niedrigeres GWP pro Kilogramm auf, benötigt jedoch eine größere Einbaumasse.
  • Produkt B weist ein höheres GWP pro Kilogramm auf, benötigt aber deutlich weniger Material, um dieselbe Abdichtungsleistung zu erreichen.
  • Produkt A muss früher ausgetauscht werden.
  • Produkt B behält seine Leistungsfähigkeit über einen längeren Referenzzeitraum.

In einem solchen Fall kann sich das Ranking ändern, sobald die Bewertung von kg Produkt auf die tatsächlich erbrachte Funktion umgestellt wird.

Für die B2B-Beschaffung können daher funktionale Einheiten sinnvoller sein, die sich beispielsweise auf Folgendes beziehen:

  • einen Meter abgedichtete Fuge,
  • einen Quadratmeter abgedichtete Oberfläche,
  • eine vollständig ausgeführte Verbindung,
  • ein Bauteil über einen definierten Referenzzeitraum,
  • oder eine andere technisch begründete Leistungseinheit.

Das Ausgangsmaterial empfiehlt, die tatsächliche Fugenkonstruktion in einen fairen Vergleich zu überführen und dabei Geometrie, Dichte, Verbrauch und realistische Materialverluste zu berücksichtigen.

Wie führt man einen CO₂-Vergleich von Dichtstoffen durch?

  1. Die erforderliche technische Funktion definieren

Vor dem Vergleich von CO₂-Daten muss definiert werden, welche Aufgabe das Material tatsächlich erfüllen muss.

Je nach Anwendung können dazu gehören:

  • Wasserbeständigkeit,
  • Luftdichtheit,
  • Dampfsperre bzw. Feuchteschutz,
  • Bewegungsaufnahme der Fuge,
  • Kompression,
  • Haftung,
  • Chemikalienbeständigkeit,
  • Temperaturbeständigkeit,
  • UV-Belastung,
  • Brandschutzanforderungen,
  • Verträglichkeit mit dem Untergrund.

Ein Silikon-Dichtstoff für hochbewegliche Fugen sollte nicht automatisch mit einem Butylband verglichen werden, das hauptsächlich als komprimierte Barriere eingesetzt wird.

Ebenso kann eine dicke bituminöse Bauwerksabdichtung eine grundsätzlich andere Funktion erfüllen als eine schmale Dichtstoffraupe.

Der erste Filter bei der Beschaffung sollte daher immer die technische Eignung sein.

Der CO₂-Fußabdruck sollte zwischen Produkten verglichen werden, die die erforderliche Funktion tatsächlich erfüllen können.

  1. Die tatsächlich eingebaute Materialmenge berechnen

Nachdem die Funktion definiert wurde, muss berechnet werden, wie viel Material tatsächlich benötigt wird.

Die Bewertung sollte Folgendes berücksichtigen:

  • Fugenabmessungen,
  • Geometrie der Dichtstoffraupe,
  • Schichtdicke,
  • Produktdichte,
  • Flächenleistung bzw. Verbrauch,
  • Anwendungsverluste,
  • Verpackung,
  • Hinterfüllmaterialien,
  • Primer,
  • Reiniger,
  • Kartuschen,
  • Liner und Trägermaterialien,
  • Erwärmung oder sonstigen Energiebedarf bei der Verarbeitung.

Dies ist besonders wichtig, weil zwei Produkte mit ähnlichen GWP-Werten pro Kilogramm beim Vergleich pro Meter fertiger Fuge erheblich unterschiedliche Umweltauswirkungen haben können.

Eine nominelle Raupen- oder Banddicke sollte nicht automatisch als funktional gleichwertige trockene Schicht angenommen werden.

  1. EPD-Grenzen und Methoden aufeinander abstimmen

EPDs sind wertvolle Instrumente für eine nachhaltige Beschaffung, müssen jedoch richtig interpretiert werden.

Vor dem Vergleich zweier Deklarationen sollten folgende Punkte geprüft werden:

  • Programmbetreiber,
  • geltende Product Category Rules (PCR),
  • Ausstellungsdatum,
  • Gültigkeitsdatum,
  • deklariertes Produkt,
  • geografischer Geltungsbereich,
  • Datenzeitraum,
  • Hintergrunddatenbank,
  • Allokationsregeln,
  • Cut-off-Regeln,
  • Lebenszyklusmodule,
  • Methode der Wirkungsabschätzung.

Ein Cradle-to-Gate-Ergebnis ist nicht automatisch mit einem Cradle-to-Gate mit Optionen– oder Cradle-to-Grave-Ergebnis vergleichbar.

Ebenso sollten Werte aus unterschiedlichen methodischen Versionen oder nicht kompatiblen PCRs nicht einfach in eine Beschaffungstabelle übernommen und vom niedrigsten zum höchsten Wert sortiert werden.

Das Ausgangsmaterial betont, dass EPD-Module und Systemgrenzen aufeinander abgestimmt werden müssen, bevor Werte miteinander verrechnet oder verglichen werden.

Warum die Nutzungsdauer das Ergebnis der CO₂-Bewertung verändern kann

Emissionen aus der Produktphase sind nur ein Teil der Nachhaltigkeitsbewertung.

Bei vielen Bau- und Industrieanwendungen können Dauerhaftigkeit und Austauschhäufigkeit einen erheblichen Einfluss auf das Ergebnis des Lebenszyklus haben.

Angenommen, zwei Abdichtungssysteme erfüllen zunächst dieselbe Funktion:

  • System A muss nach einem kürzeren Zeitraum ersetzt werden.
  • System B verfügt über eine technisch nachgewiesene längere Nutzungsdauer.

Über einen Referenzzeitraum von 30 oder 50 Jahren kann System A zusätzliche:

  • Produkte,
  • Transporte,
  • Arbeitsleistungen,
  • Untergrundvorbereitung,
  • Zugangsmaßnahmen,
  • Demontage,
  • Abfallbehandlung,
  • Energie für die Installation

erfordern.

Diese zusätzlichen Eingriffe können die Gesamtbilanz der CO₂-Emissionen verändern.

Eine längere angegebene Nutzungsdauer sollte jedoch niemals als unbelegter Nachhaltigkeitsanspruch verwendet werden. Sie muss durch geeignete technische Nachweise gestützt und für alle betrachteten Produkte konsistent modelliert werden.

Das Ausgangsmaterial empfiehlt die Verwendung eines gemeinsamen Referenzzeitraums sowie die Berücksichtigung von Austausch, Entfernung und Vorbereitung, sofern relevant.

Eine EPD bedeutet nicht automatisch „umweltfreundlicher“

Eine Umweltproduktdeklaration (EPD) ist eine wichtige Quelle für Umweltinformationen. Sie sollte jedoch nicht als Zertifizierung verstanden werden, dass ein Produkt grundsätzlich nachhaltiger ist als ein anderes.

Eine EPD beschreibt die Umweltleistung nach einer definierten Methodik und auf Grundlage bestimmter Annahmen.

Sie beantwortet nicht automatisch die Frage:

„Welches Produkt sollten wir kaufen?“

Diese Entscheidung hängt auch von folgenden Faktoren ab:

  • technische Leistung,
  • Dauerhaftigkeit,
  • Materialeffizienz,
  • Anforderungen an die Verarbeitung,
  • Verträglichkeit,
  • Wartung,
  • Austausch,
  • End-of-Life,
  • projektspezifische Bedingungen.

Das Ausgangsmaterial weist ausdrücklich darauf hin, dass eine EPD das zugrunde liegende Modell transparent darstellt, aber nicht zertifiziert, dass ein Produkt gegenüber einem anderen ökologisch vorteilhafter ist.

Butyl vs. Silikon vs. Bitumen: Was sollten Unternehmen vergleichen?

Butyl-Dichtstoffe

Produkte auf Butylbasis können besonders relevant sein, wenn eine zuverlässige Abdichtung, Haftung oder Barrierewirkung erforderlich ist. Für die Beschaffung ist nicht allein der CO₂-Fußabdruck der Butyl-Chemie entscheidend, sondern vor allem die Menge des Produkts, die benötigt wird, um die geforderte Funktion zu erfüllen.

Das aktuelle modellhafte EPD-Beispiel aus dem Ausgangsmaterial weist für die Produktphase A1–A3 4,49 kg CO₂e pro kg aus. Dabei handelt es sich um einen modellierten Wert, der nicht als allgemeingültiger Emissionsfaktor für alle Butylprodukte verwendet werden sollte.

Silikon-Dichtstoffe

Silikonsysteme werden häufig eingesetzt, wenn Elastizität, Bewegungsaufnahme, Witterungsbeständigkeit oder andere anspruchsvolle Leistungsmerkmale erforderlich sind.

Das im Ausgangsmaterial dargestellte Silikon-Gruppenmodell weist für A1–A3 5,31 kg CO₂e pro kg aus.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass jedes Silikonprodukt diesen CO₂-Fußabdruck aufweist oder Silikon bei einer realen Installation zwangsläufig die Lösung mit der höheren Umweltwirkung ist. Die erforderliche Produktmenge, Dauerhaftigkeit und konkrete Anwendung müssen in den Vergleich einbezogen werden.

Bituminöse Systeme

Das Ausgangsmaterial enthält eine modellhafte EPD für eine polymermodifizierte bituminöse Dickbeschichtung mit einem A1–A3-Wert von 1,21 kg CO₂e pro kg.

Dieses Produkt weist jedoch einen anderen Dichtebereich, eine andere geografische Modellierungsgrundlage und eine andere funktionale Anwendung auf. Daher kann es nicht allein aufgrund seines niedrigeren massenbezogenen GWP als direkter Ersatz für ein Butylband oder einen Silikon-Fugendichtstoff betrachtet werden.

Dies ist eine wichtige Erkenntnis für eine nachhaltige Beschaffung:

Ein niedrigerer Wert in kg CO₂e/kg bedeutet nicht automatisch, dass die Lösung für das Projekt den niedrigsten CO₂-Fußabdruck aufweist.

Fünf-Punkte-Checkliste für die nachhaltige Beschaffung von Dichtstoffen

  1. Gleichwertige Leistung definieren

Festlegen:

  • Funktion der Fuge,
  • Untergründe,
  • Exposition,
  • Bewegungsanforderungen,
  • Akzeptanzkriterien,
  • Referenzzeitraum.
  1. Das installierte System quantifizieren

Berechnen:

  • tatsächliche Geometrie,
  • Dichte,
  • Materialmenge,
  • Anwendungsverluste,
  • Primer,
  • Hinterfüllung,
  • Verpackung,
  • Prozessenergie,
  • Zubehör.
  1. Umweltinformationen aufeinander abstimmen

Prüfen:

  • PCR,
  • deklarierte Einheit,
  • Module,
  • geografischer Geltungsbereich,
  • Aktualität der Daten,
  • Allokation,
  • Datenbank,
  • Methode der Wirkungsabschätzung.
  1. Den vollständigen Lebenszyklus modellieren

Wo relevant, berücksichtigen:

  • Transport,
  • Installation,
  • Wartung,
  • Austausch,
  • Entfernung,
  • Untergrundvorbereitung,
  • Abfälle,
  • End-of-Life-Szenarien.
  1. Eine Sensitivitätsanalyse durchführen

Prüfen, ob sich die Beschaffungsentscheidung ändert, wenn Annahmen zu folgenden Faktoren verändert werden:

  • Dosierung,
  • Nutzungsdauer,
  • Transport,
  • Strommix,
  • Installation,
  • Abfall,
  • End-of-Life.

Dieser Fünf-Punkte-Ansatz folgt dem im Ausgangsmaterial beschriebenen Vergleichsrahmen.

Welche Informationen sollten Einkaufsteams von Lieferanten anfordern?

Für eine belastbare B2B-Nachhaltigkeitsbewertung sollten Lieferanten nach Möglichkeit aktuelle, produktspezifische Nachweise und Umweltdaten bereitstellen.

Ein Beschaffungspaket kann Folgendes umfassen:

  • aktuelle produktspezifische EPD,
  • technisches Datenblatt (TDS),
  • Sicherheitsdatenblatt (SDS),
  • Verbrauchs- oder Mengenberechnung,
  • Nachweise zur Dauerhaftigkeit,
  • empfohlene Verarbeitungsbedingungen,
  • Informationen zum Änderungsmanagement,
  • relevante Zertifikate und Prüfberichte.

Branchen- oder Gruppen-EPDs können für ein erstes Screening hilfreich sein, sollten jedoch nicht automatisch als Nachweis für den CO₂-Fußabdruck eines bestimmten kommerziellen Produkts betrachtet werden.

Dies ist insbesondere wichtig, wenn ein Unternehmen folgende Unterlagen vorbereitet:

  • ESG-Dokumentation,
  • Ausschreibungsunterlagen,
  • Umwelterklärungen,
  • Berechnungen der grauen bzw. gebundenen CO₂-Emissionen,
  • Dokumentation für nachhaltiges Bauen,
  • Nachhaltigkeitsfragebögen von Kunden,
  • Scope-3-Bewertungen,
  • Produktvergleiche.

Der CO₂-Fußabdruck ist nur ein Beschaffungskriterium

Eine ausschließlich auf CO₂ basierende Beschaffungsstrategie kann unbeabsichtigte technische oder ökologische Risiken verursachen.

Bei der Materialauswahl müssen möglicherweise auch folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Dauerhaftigkeit,
  • Ressourcenverbrauch,
  • Auswirkungen auf Wasser,
  • VOC-Anforderungen,
  • chemische Sicherheit,
  • Verträglichkeit,
  • Reparierbarkeit,
  • Wartung,
  • Brandverhalten,
  • regulatorische Anforderungen.

Das Ausgangsmaterial warnt daher davor, dass der CO₂-Fußabdruck die technische Eignung oder andere relevante Umweltindikatoren überlagert.

Für gewerbliche Einkäufer besteht die robusteste Strategie darin, zunächst Mindestanforderungen an die technische Eignung festzulegen und anschließend einen transparenten Umweltvergleich zwischen den konformen Produkten durchzuführen.

Häufige Fehler beim Vergleich des CO₂-Fußabdrucks von Dichtstoffen

Fehler 1: Materialien nach kg CO₂e/kg bewerten

Dabei wird ignoriert, wie viel Material tatsächlich benötigt wird.

Fehler 2: Eine EPD als universellen Emissionsfaktor betrachten

Eine EPD beschreibt ein definiertes Produktsystem und eine bestimmte Methodik.

Fehler 3: Unterschiedliche Funktionen miteinander vergleichen

Eine Abdichtungsbeschichtung, ein komprimiertes Band und ein elastischer Fugendichtstoff müssen nicht dieselbe Funktion erfüllen.

Fehler 4: Austauschzyklen ignorieren

Ein niedrigerer anfänglicher CO₂-Fußabdruck kann durch zusätzliche Austauschzyklen ausgeglichen werden.

Fehler 5: Unterschiedliche EPD-Systemgrenzen vermischen

Cradle-to-Gate- und Cradle-to-Grave-Ergebnisse können nicht einfach miteinander kombiniert werden, als wären sie gleichwertig.

Fehler 6: Allgemeine Marketingaussagen treffen

Aussagen wie „CO₂-armer Silikon-Dichtstoff“, „nachhaltigster Dichtstoff“ oder „Bitumen hat den niedrigsten CO₂-Fußabdruck“ erfordern belastbare Nachweise auf Grundlage eines geeigneten Vergleichs.

Das Ausgangsmaterial empfiehlt ausdrücklich, allgemeingültige Rankings und präzise Aussagen zu CO₂-Einsparungen zu vermeiden, sofern die konkreten Produktsysteme und Funktionen nicht konsistent miteinander verglichen wurden.

FAQ: CO₂-Fußabdruck von Butyl, Silikon und Bitumen

Welches Material hat den niedrigsten CO₂-Fußabdruck: Butyl, Silikon oder Bitumen?

Es gibt keinen allgemeingültigen Gewinner. Der geeignete Vergleich erfolgt zwischen funktional gleichwertigen installierten Systemen unter Verwendung abgestimmter Produktdaten, Lebenszyklusmodule, Nutzungsdauern und Szenarien.

Hat Silikon immer einen höheren CO₂-Fußabdruck als Butyl?

Nein. Eine modellhafte EPD kann unterschiedliche Werte für die Produktphase ausweisen. Das Ergebnis für ein konkretes Projekt hängt jedoch von Rezeptur, Menge, Anwendung, Dauerhaftigkeit und den Annahmen zum Lebenszyklus ab.

Ist Bitumen automatisch die nachhaltigste Option?

Nein. Das modellhafte Beispiel aus dem Ausgangsmaterial weist zwar einen niedrigeren A1–A3-Wert pro Kilogramm auf, repräsentiert jedoch einen anderen Produkttyp, eine andere Funktion, einen anderen Dichtebereich und ein anderes geografisches Modell. Daraus lässt sich kein allgemeingültiges Ranking ableiten.

Kann ich zwei EPDs direkt miteinander vergleichen?

Nur wenn PCRs, deklarierte Einheiten, Methode der Wirkungsabschätzung, Systemgrenzen und relevante Funktionen ausreichend aufeinander abgestimmt sind.

Reicht das GWP ab Werk für eine Beschaffungsentscheidung aus?

Nein. Eingebaute Materialmenge, Installation, Wartung, Austausch und End-of-Life können das Gesamtergebnis erheblich beeinflussen.

Reduziert eine längere Nutzungsdauer des Dichtstoffs den CO₂-Fußabdruck?

Potentiell ja, da weniger Austauschzyklen erforderlich sein können. Aussagen zur Nutzungsdauer müssen jedoch durch Nachweise belegt und über denselben Referenzzeitraum bewertet werden.

Nachhaltige Beschaffung von Dichtstoffen: Der B2B-Ansatz

Für professionelle Einkäufer sollte Nachhaltigkeit als leistungsbasierte Beschaffungsfrage und nicht lediglich als Vergleich verschiedener Materialbezeichnungen betrachtet werden.

Die stärkste Beschaffungsmethodik lautet:

Technische Funktion → Eingebaute Materialmenge → Produktspezifische Umweltdaten → Nutzungsdauer → Lebenszyklusmodellierung → Sensitivitätsanalyse → Dokumentierte Beschaffungsentscheidung

Dieser Ansatz hilft Unternehmen, irreführende Nachhaltigkeitsvergleiche zu vermeiden und gleichzeitig eine nachvollziehbare Grundlage für die Materialauswahl zu schaffen.

Für Hersteller und Lieferanten bietet er zudem eine bessere Grundlage, die Umweltleistung gegenüber Kunden zu kommunizieren, ohne unbelegte Aussagen zum CO₂-Fußabdruck zu machen.

Fordern Sie eine CO₂-Bewertung funktional gleichwertiger Systeme an

Wenn Ihr Unternehmen Butyl-, Silikon- oder bituminöse Abdichtungssysteme vergleicht, sollte der wichtigste Ausgangspunkt die konkrete Anwendung und nicht der Materialname sein.

Bereiten Sie Folgendes vor:

  • Zeichnungen von Fugen oder Bauteilen,
  • erforderliche Leistungskriterien,
  • geschätzte eingebaute Materialmengen,
  • Applikationsmethode,
  • erwartete Nutzungsdauer,
  • EPDs der betrachteten Produkte,
  • technische Dokumentation.

Der Vergleich kann anschließend auf Grundlage derselben funktionalen Einheit, desselben Referenzzeitraums und derselben Lebenszyklusmethodik strukturiert werden.

Das Ziel sollte nicht darin bestehen, allgemein die „grünste“ chemische Technologie zu identifizieren. Ziel sollte vielmehr sein, die technisch geeignete Lösung mit der am besten dokumentierten Umweltleistung für die konkrete Anwendung zu bestimmen.